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ÜBER "EINS: ZUM ANDERN"

Die Konferenz akzentuiert das Gespräch zwischen Gegenwartslyrik und Wissenschaft neu.

Zur Debatte stehen die Eigenständigkeit und der Stellenwert von Lyrik im Ensemble der Künste und Medien. Wobei Eigenständigkeit hier nicht mehr nur im Hinblick auf die Gattung, sondern praxeologisch gedacht ist, und somit spezifische Weisen der Produktion, der Rezeption, aber auch der Distribution, der Interaktion und der Institutionalisierung umfasst. Was zeichnet in diesem Sinne die Lyrik heute aus? Was sind ihre Praktiken und Institutionen? Was ist ihre gesellschaftliche Funktion? Welche Rolle nimmt sie innerhalb einer Ästhetik der Gegenwart ein? Und umgekehrt, aus der Warte der Gegenwartslyrik gesprochen: Welche Anliegen hat die Lyrik? Was sind ihre Vorgehensweisen? Was sind ihre ästhetischen und gesellschaftlichen Gründe dafür? Wie interagiert sie mit anderen Künsten?

 

Welche Medien nutzt sie aufgrund welcher Präferenzen? Wie interagiert sie mit den Wissenschaften? Welche gemeinsamen Erkenntnisinteressen und -vermögen gibt es? Wo gehen sie auseinander? Inwiefern sprechen Lyrik und (Lyrik-)Forschung dieselbe Sprache? Schreiben sie in der gleichen Weise? Und wo trennen sich die beiden Denk- und Schreibweisen?

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Um diese Fragen zu beantworten und gemeinsam neue Fragen, Arbeitsweisen und Erkenntnisziele zu entwerfen, führt die dreitägige Konferenz die Denkformen von Lyrik und Wissenschaften mit Hilfe unterschiedlichster Formate zusammen: das poetische Denken der Lyriker:innen und das Denken der Literaturwissenschaftler:innen, Medientheoretiker:innen, Ästhetiker:innen oder auch Soziolog:innen, Politolog:innen oder auch Biolog:innen sollen sich aneinander anlehnen, ineinander verschränken, aneinander reiben, oder mit einander kollidieren – auf dass es knallt.


Die Konferenz will einen Möglichkeitsraum und zugleich eine (öffentliche) Bühne bieten, damit sich die diversen Diskurse und Denkweisen vor Ort ereignen können. Es geht also nicht darum, bereits entwickelte wissenschaftliche und poetische Positionen zur Tagung mitzubringen und dort auszutauschen. Vielmehr sollen die Denkweisen und Positionen anhand von poetischen Texten/Performances erst entfaltet und gewonnen werden. Die verschiedenen Produzent:innen treten in einen Dialog, um zu erörtern, welche gemeinsamen Arbeitsweisen und Projekte es überhaupt gibt oder in Zukunft geben kann.

Wie lässt sich das Verhältnis zwischen Lyrik und Wissenschaften denken und gestalten sowie in verschiedene Praktiken, langfristige Strukturen und Institutionen umsetzen? Welche Arbeitsweisen etwa könnten die Zusammenarbeit neu strukturieren und ausrichten: jenseits von Poetikdozenturen oder einzelnen Gastauftritten von Lyriker:innen in einzelnen Seminaren?

 

 

Um diese Punkte zu diskutieren, sie zugleich im Experiment offener Gespräche und der Praxis tatsächlicher Zusammenarbeiten zu befragen und kritisch zu hinterfragen, bietet die Konferenz eine Vielzahl verschiedener Formate vor Ort: vom Workshop für Nachwuchsforscher:innen und Lyriker:innen über öffentliche Panels, Vorträge und Response bis zur Entwicklung von gemeinsamen Forschungsprojekten und gegenseitigen kritischen Reflexionen. In dieser Weise changiert die Konferenz selbst zwischen Gespräch, Experiment und Vortrag. Vielleicht schon eine mögliche Gesprächsform zwischen Gegenwartslyrik und Wissenschaft.

 

(Der Titel der Konferenz, „eins: zum andern“, zitiert den gleichnamigen Gedichtband der Dichterin Karin Fellner. Parasitenpresse, Köln 2019)